Die Jungfreisinnigen St. Gallen-Gossau begrüssen jegliches politische Interesse sowie Engagement von Lernenden. Es ist definitiv ebenfalls sinnvoll, die Klimapolitik der CH zu hinterfragen. Ein wichtiges Thema mit vielen offenen Punkten und Fragen. Als Jungpartei fördern wir politisches Engagement von Jugendlichen, Lernenden und allgemein von jungen Leuten. Jedoch gibt es für uns fünf Gründe, welche gegen eine Teilnahme am Klimastreik sprechen.

Liebe Lernende, liebe Mitstreikende
Bitte lest doch zuerst diese fünf Punkte durch, bevor ihr am kommenden Freitag auf die Strasse geht. Wenn es euch nicht von eurem Vorhaben abbringt, bringt es doch zumindest eine Stimme ein – die Stimme von Nicht-Streikenden, aber von nicht weniger politisch engagierten, jungen Leuten.

  1. Arbeits-/Schulpflicht geht vor!

Wir sind der Meinung, dass das politische Engagement andere Verpflichtungen wie eine Ausbildung nicht beeinträchtigen soll. Solche Streiks können und sollen nach der Schule bzw. Arbeit oder am Wochenende durchgeführt werden. So würde dem Streik noch eine erhöhte Bedeutung zukommen. Alternativ könnten die Lernenden innerhalb der Schule fordern, dass die Klimadebatte im Unterricht als fächerübergreifende Diskussion aufgegriffen wird. Letztlich gilt es die Meinungsbildung durch politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Diskussionen im Klassenzimmer zu fördern.

  1. Dialog statt Monolog!

Ein Streik basiert auf der Durchsetzung der eigenen Forderung. Als Streikende geht man nicht auf die Gegenpartei ein und verunmöglicht so jeglichen Dialog. Allerdings bedingen solche komplexe Problemfelder wie der Klimawandel eine politische Diskussion zwischen verschiedenen Parteien, den Bürgern und Bürgerinnen, Zivilgesellschaften, Vertretern der Lehre und Forschung und weiteren Experten. Schliesslich geht es um die Zukunft aller Schweizer (ca. 8.4 Millionen) und nicht von wenigen Lernenden, welche als schönen Nebeneffekt die Schule schwänzen können (38‘000 Lernende oder 0.45% der Gesamtbevölkerung).

  1. Antikapitalistische statt ökologische Forderungen!

Viele Transparente in den letzten Schweizer Klimastreiks zeigten die sozialistische und antikapitalistische Forderung „System Change Not Climate Change“.

Hier verkennen und verleugnen sogar die Streikenden die Errungenschaften des (kapitalistischen) «Systems». Das Erfolgsmodell unserer Marktwirtschaft ist ausschlaggebender Einflussfaktor für den hohen Wohlstand hier in der Schweiz. Nicht zuletzt trägt ein hoher Wohlstand einen grossen Beitrag für die Begegnung des Klimawandels bei: bessere Isolationen, Sensibilisierung durch Info-Kampagnen und in der Schule, Investitionen für die erneuerbaren Energien u.v.m.

  1. Klimaschutz als grösste Herausforderung des Jahrhunderts!

Durch diese Streiks könnte Bundesbern den Eindruck erhalten, dass diese Problematik total simpel ist und jedes Kind diese lösen kann. „Man muss ja nur was dagegen machen, den Hebel umschalten.“ Dieses idealistische und doch auch naive Bild der Lernenden trügt. Der Klimaschutz ist wohl eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die grösste und komplexeste Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Die Schweiz hat das Pariser Übereinkommen wie die anderen 195 Mitgliedstaaten unterzeichnet und befindet sich also in einer globalen Kooperation im Kampf für den Klimaschutz.

Ferner gibt es nicht „die Lösung“, sondern diverse Lösungsansätze, welche in einem systematischen und grundlegenden Paradigmenwechsel eingebettet sind. Denn Klimaschutz fängt jeweils bei sich selbst an. Es müssen unbedingt Anreize gesetzt werden, um ein umweltbewusstes Leben jedes CH-Bürgers und jeder CH-Bürgerin zu fördern. Aus liberaler Sicht soll und kann letzteres ohne Verbote und ohne staatliche Eingriffe ermöglicht werden.

  1. Pragmatismus statt Provokation!

Schlussendlich ist es egal, ob man am 15. März auf die Strasse geht oder nicht. Es handelt sich hier um eine Bewegung, um einen Trend, welcher wie so oft und mit der Zeit abflacht und irgendwann ganz verschwindet. Die komplexen Problemfelder werden bleiben. Denn diese brauchen keinen Kindergarten, sondern ein pragmatisches Denken und Handeln!

Die Streikenden werden voraussichtlich weniger als 1% der CH-Bevölkerung repräsentieren. Der Grossteil wird zu Hause bleiben und keine Stimme erhalten. Daher warnen wir die Politiker davor, übereifrige und zu wenig durchdachte Lösungen zu beschliessen. Wir brauchen keinen Schnellschuss!

Liebe Lernende: Macht weiter so! Engagiert euch politisch, aber bitte in eurer Freizeit wie es andere Jungparteien auch tun. Bestenfalls würdet ihr die ganze Debatte konstruktiv anstossen. Bspw. durch eigene Schulprojekte, Recherchen, politische Vorstösse, Diskussionen.

Wir, die Jungfreisinnigen St.Gallen-Gossau plädieren für mehr Dialog statt Monolog und mehr Pragmatismus statt Provokation.