„Wir machen Bildung fit für die Zukunft – leistungsorientiert, praxisnah und eigenverantwortlich.“
Bildung von Weltklasse
Nur ausgezeichnete Bildung gewährleistet die Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend globali sierten Welt. Bildung ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Sie macht uns zu mün digen Bürgern, die in Freiheit und Eigenverantwortung leben. Zudem institutionalisiert ein solides Bildungssystem wesentliche Freiheitsrechte, sichert den guten Zugang zu Aus- sowie Weiterbil dung und ist damit Voraussetzung für Chancengleichheit und freie Berufswahl: Denn durch schu lische Aus- und Weiterbildung können sich Menschen, die nicht einer privilegierten Schicht ange hören, eigene Wege zum Erfolg bahnen. Die Schaffung von guten Startbedingungen und Zukunfts aussichten für alle im Kanton ist für uns daher auch die beste Form von Sozialpolitik, denn es ist besser, frühzeitig in die Bildung zu investieren als später Bildungsdefizite durch Sozialleistungen aufzufangen. Denn wir wollen, dass der Kanton St.Gallen zu dem Ort für Talente wird.
Starke Bildungsinfrastruktur
Eine moderne und zeitgemässe Bildung benötigt auch eine moderne und zeitgemässe Bildungs infrastruktur. Während unsere Wohnungen und Büros in den letzten hundert Jahren einen grossen Fortschritt hinter sich hatten, sind unsere Klassenzimmer immer noch mehr oder weniger gleich. Deshalb müssen auch diese ins 21. Jahrhundert katapultiert werden. Unsere Klassenzimmer brauchen eine moderne Ausstattung. Überfüllte Gebäude bringen keinem etwas, daher müssen bei Neu- und Umbauten auch ein Wachstum der Zahlen der Schülerinnen und Schüler einberech net werden.
Religion raus aus der Schule, Wissen rein
Getreu unserem freiheitlich-liberalen Weltbild sind wir der Überzeugung, dass jeder das Recht hat, nach seinem Wunsch glücklich zu werden. Dabei setzen wir voraus, dass dies selbstver ständlich einem gemeinsamen Werteraum zu geschehen hat. Wir freuen uns über die Schritte, welche der Kanton schon in diesem Bereich unternommen hat. Namentlich die Einführung des Schulfaches «Ethik, Religionen und Gemeinschaft». Es sind jedoch noch viele Schritte auf dem Weg zur Laizistischen Schule zu gehen. Wir fordern daher die Abschaffung des bekenntnisbezogenen Religionsunterrichts in den vom Kanton St.Gallen und seinen Gemeinden finanzierten Schulen. Ebenso sollen in Zukunft keine konfessionellen Schulen mehr durch öffentliche Gelder finanziert werden.
Ein Land – Vier Sprachen: Mehrsprachigkeit stärkt
Die Schweiz ist in einer einzigartigen Position mit vier Landessprachen, daher wird in der Primar schule neben Deutsch auch schon eine zweite Landessprache, Französisch, mit unterrichtet. Wir sehen dies als wichtigen Teil für den Zusammenhalt unseres Landes an und verurteilen die Versu che dieses Frühfranzösisch zu streichen. Es ist erwiesen, dass Kinder gerade in jungen Jahren Fremdsprachen deutlich besser lernen als später. Der Französischunterricht soll möglichst pra xisnah organisiert werden und vermehrt ein Fokus auf notwendiges Vokabular und Sprechen und weg von grammatikalischen Formen gesetzt werden. Um frühe Erfolgserlebnisse zu generieren, möchten wir mehr Schullagerwochen, insbesondere in der lateinischen Schweiz, durchführen lassen. Der Kanton soll deshalb die Schulträger auf Primarstufe dazu anregen. Ausbauend fordern wir die freiwillige Möglichkeit zum Besuch des Italienischunterrichts in der Sekundarschule, einen freiwilligen Rätoromanischunterricht und die Beibehaltung des Schwerpunktfaches Italienisch an den Kantonsschulen.
Kompetenzen fürs Leben: Wirtschaft und Recht im Lehrplan
Durch den heute gültigen Lehrplan im Kanton St.Gallen, ist es der Laune der Lehrer – und somit dem Zufall – überlassen, ob ein Schüler vor der Lehre grundlegende Prinzipien einer einfachen
Buchhaltung, des Vertragsrechts oder der Staatskunde vermittelt bekommt. Wir sind der Über zeugung, dass ein obligatorisches Fach Wirtschaft und Recht schon auf Sekundarstufe I eine Not wendigkeit darstellt, welche wir uns nicht länger zu ignorieren leisten können. Durch die Vermitt lung von einfachstem Alltagswissen (Was ist ein Vertrag; Wie stelle ich ein Budget auf und was
sind Schulden; Was ist sind Bürgerrechte und Bürgerpflichten) wollen wir junge Menschen an die Realität heranführen und ihnen das Wissen vermitteln, welches sie befähigt, ihre Rechte und Pflichten, die sie ab dem 17. Lebensjahr geniessen, bewusst wahrzunehmen.
Berufsbildung statt Titeljagd: Für eine starke Lehre!
Die hervorragende und einzigartige Berufsbildung ist ein zentraler Pfeiler der Schweizer Wirt schaft. Die Ausbildung von Arbeitskräften auf allen Stufen und in allen Branchen ermöglicht die Konkurrenzfähigkeit unserer Arbeitskräfte im europäischen bzw. globalen Arbeitsmarkt. Dabei sollen nicht abstruse akademische Titel und Diplome im Zentrum stehen, sondern allein die Qua lität der Ausbildung! Es ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Fach kräften zu schaffen, ebenfalls muss die Maturitätsquote im Gleichgewicht gehalten werden. Denn sonst leidet die Qualität der Studierenden an den Universitäten. Parallel muss die Berufslehre auf gewertet werden. Wir brauchen keinen Vergleich mit Deutschland oder anderen europäischen Ländern, in denen jeder einen Mittelschulabschluss besitzt. Nicht jeder ist für ein Universitäts studium oder umgekehrt für ein Fachhochschulstudium oder eine Berufslehre geeignet. Dadurch könnte auch das Problem der überfüllten Universitäten gelöst werden. Eine gut ausbalancierte Maturitätsquote und eine Stärkung des dualen Bildungssystems tragen dazu bei, den Migrations druck auf dem Arbeitsmarkt zu mildern, da wieder mehr einheimische Fach- und Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt vorhanden wären.
St.Gallen denkt voraus: Hochschulen in Eigenregie
Der Kanton St.Gallen kann sich glücklich mit seinen starken Hochschulen, bestehend aus der FH OST mit Standorten in Rapperswil, Buchs und St.Gallen, der Universität St.Gallen und den Päda gogischen Hochschulen, schätzen. Wir möchten, dass Exzellenz in allen St.Galler Hochschulen zuhause ist. Dafür müssen diese in einem fairen Wettbewerb miteinander stehen, welche sie mit einer grösstmöglichen Autonomie bestreiten sollen. Unsere Hochschulen sollen zu den Eigentü mern ihrer Gebäude werden, frei in der Gestaltung der Lehre und Forschung, sowie die Hoheit über die Verwendung der Mittel, Auswahl ihrer Studierender und über ihr Personal haben. Damit dies auch funktionieren kann, sollen die Organisationen der FH Ost und der Pädagogischen Hoch schule miteinander verschmolzen werden. Damit alle Studierenden einen besseren Einstieg ins Berufsleben erreichen, möchten wir die Möglichkeit des Teilzeitstudiums verstärken. Daher for dern wir, dass alle Vorlesungen live gestreamt und aufgezeichnet werden.
Die Finanzierung der Kantonalen Hochschulen soll verstärkt separat vom kantonalen Budget lau fen. Wir bevorzugen ein Finanzierungsmodell, welches aus drei Säulen mit privaten Mitteln, nach gelagerten Studiengebühren und ergänzenden kantonalen Mitteln, besteht. Personen, welche im Kanton St.Gallen ihre Matura absolviert haben, sollen von tieferen Studiengebühren profitieren.
Zinslose Darlehen für Alle statt Stipendien für Wenige
Ein Studium darf nicht an finanziellen Hürden scheitern. Studenten sollen die Kosten ihres Studi ums aber persönlich erfahren und mittragen. Stipendien sollen vollumfänglich durch zinslose Darlehen ersetzt werden, welche nach dem Studium zurückbezahlt werden. Der Antrag für ein solches Darlehen darf aber nicht aufgrund einer unüberwindbaren Bürokratiemaschinerie schei tern: Die Darlehen müssen mit minimalem Verwaltungsaufwand und für alle in nützlicher Frist zugänglich sein.
Flügelheben – Für alle. Für immer.
Gerade in Zeiten von rasenden Entwicklungen ist es nicht selbstverständlich immer am Ball zu bleiben. Daher fordern wir die Erhöhung des Abzuges für berufliche Weiterbildung. So ermögli chen wir es mehr Personen sich im Rahmen von Weiterbildungsangeboten von privaten, wie auch an den öffentlichen Hochschulen, weiterzubilden und am Puls der Zeit zu bleiben.
Vorsprung durch Innovation und Forschung
Im Kanton St.Gallen befinden sich schon heute einige Orte, an welchen Spitzenforschung betrie ben wird. Mit dem neu aufzubauenden Institut der ETH an der EMPA wird dieser Bereich weiter gestärkt. Mit den ehemaligen «Technika» in Buchs und Rapperswil haben wir die Ausrüstung und das Knowhow für Spitzenforschung, gerade im Bereich der Präzisionstechnologie. Im Bereich der Innovationsförderung besitzt der Kanton St.Gallen auch mit dem Switzerland Innovation Park Ost eine starke Partnerin. Damit ist aber nicht genug, denn weiter soll die Zusammenarbeit zwischen universitären und ausseruniversitären Forschungseinrichtungen ausgebaut werden. Hier soll aber auch mit einem Fokus auf private Mittel, Public-Private Partnerships gefördert werden. So werden Synergieeffekte erzielt und zusätzliche Finanzierungsquellen können erschlossen wer den. Der Kanton St.Gallen soll zu einem internationalen kompetitiven Wissenschaftsstandort werden und hochkarätige Forschende aus dem Ausland angezogen werden.