«Nicht jedem Tälchen sein Spitälchen!»

Die Jungfreisinnigen Kanton St. Gallen begrüssen das Konzept des Verwaltungsrats der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen. Die heutige Spitalstruktur ist finanziell untragbar für den Kanton und verhindert eine zeitgemässe Entwicklung des Gesundheitswesens. Die Variante 3 des Verwaltungsrats ist jedoch das Minium.

In den vergangenen Tagen präsentierte der Verwaltungsrat der Spitalverbunde ein Grobkonzept zur Entwicklung der Spitalsituation im Kanton St. Gallen. Grund dafür ist, dass die Spitalverbunde durch die hohe Dichte an Spitälern im Kanton in naher Zukunft strukturelle Defizite von bis zu CHF 70 Millionen pro Jahr hinnehmen müssen. Daher sollen neu vier statt wie bisher neun Spitälern ein stationäres Angebot betreiben; die anderen Standorte bleiben als Gesundheitszentren oder Ambulatorien bestehen. Die JFSG begrüssen dieses Konzept als Grundlage einer zeitgemässen und für die Allgemeinheit finanziell tragbaren Spitalstruktur.

Zeitgemässe Anpassung an verändertes Umfeld

Die heutige Struktur des Spitalwesens im Kanton St. Gallen ist weder effizient noch zeitgemäss: Die momentan enorm hohe Dichte, welche mit neun Standorten vorherrscht, geht mehrheitlich auf deren Erbauung im 19. Jahrhundert zurück. In der Zwischenzeit hat sich das Gesundheitswesen jedoch durch technologische Fortschritte sowie den deutlich kürzeren Behandlungszeiten, vor allem auch aufgrund des Trends zu ambulanten Behandlungen, stark verändert. Nur mit genügend Fallzahlen kann eine konstante Qualität auf hohem Niveau gewährleistet werden.

Langfristige Lösungen statt politische Ambitionen

Der Vorschlag, Leistungen des Spitalwesens auf weniger Standorte zu konzentrieren, ist nicht neu: Bereits in der Spitalreform von 2003 wird dies als notwendiger Schritt zur Erhaltung von Qualität und finanzieller Tragbarkeit der Gesundheitsversorgung festgehalten. Jedoch verlor der damalige Vorsteher des Gesundheitsdepartements in diesem Zusammenhang bei den nächsten Wahlen seine Position. Seitdem wird die Diskussion über die Schliessung von Spitälern in der Regierung – wenn überhaupt – nur noch hinter vorgehaltener Hand geführt. Sicherheitshalber wird lieber behauptet, die momentan neun Standorte seien nach wie vor realistisch. Dies erscheint als massive Fehleinschätzung, wenn man der Analyse des Verwaltungsrates der Spitalverbunde Glauben schenkt: ein strukturelles Defizit von bis zu 70 Millionen jährlich sei die Konsequenz.
Es darf nun unter keinen Umständen geschehen, dass die Zukunft der Gesundheitsversorgung weiterhin aufs Spiel gesetzt wird, nur weil in der Vergangenheit diese notwendige Debatte einzelnen politischen Akteuren einen Reputationsschaden einbrachte.
Die Jungfreisinnigen fordern deshalb die Regierung auf, nicht weiterhin die prekäre finanzielle Realität herunterzuspielen, sondern endlich für langfristig tragbare Vorschläge einzustehen und sachliche Lösungen aufzuarbeiten.

Regionalismus vermeiden

Das Gesundheitswesen ist aufgrund seiner Natur immer ein sehr emotionales Thema – ersichtlich wird dies spätestens bei den Reaktionen auf das nun vorliegende Grobkonzept. Dennoch ist es angesichts dessen, was auf dem Spiel steht nun wichtiger denn je, eine sachliche Diskussion über die Zukunft der Spitalregionen zu führen. Offensichtlich verliert am Ende der ganze Kanton, wenn auf dem jetzigen Kurs weitergefahren wird. Daher ist es von grösster Wichtigkeit, dass sich nicht schon von Vorhinein jeglicher Lösung verschlossen wird, weil jede Region sich in den eigenen Interessen angegriffen fühlt. So sieht unser Kantonalpräsident und Toggenburger Noah Menzi auch die Petition des Fördervereins Spital Wattwil kritisch und meint «Es braucht nicht jedem Tälchen sein Spitälchen!»

Veränderungen sind überfällig

Neubauten hin oder her, die grossen Kostenblöcke fallen mit der Bewirtschaftung der Spitäler an. Damit die medizinische Versorgung im Kanton auch weiterhin optimal gewährleistet werden kann, gilt es, unabhängig von den bereits begonnenen Investitionen die drohende stark defizitäre Lage abzuwenden. Diese überfällige Diskussion muss nun sachlich geführt werden – die vorgeschlagenen Varianten sind seriös zu prüfen. Für die Jungfreisinnige St. Gallen ist diese Variante 3 im Konzept des Verwaltungsrates der Spitalverbunde das Minimum, welche bereits regionalpolitisch stark austariert ist. Aus ökonomischer und medizinischer Sicht käme eigentlich nur Variante 2 und 1 in Frage, welche durch höhere Leistungskonzentrationen eine Grundlage für eine langfristig tragbare und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung schafft. Die Regierung ist gefordert.

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2018-06-08T12:16:00+00:00 8. Juni 2018|