Jungparteien gemeinsam gegen Dreifachturnhalle

Die Jungfreisinnigen See-Gaster sowie die JSVP See-Gaster setzen sich gemeinsam gegen die geplante Dreifachturnhalle in Eschenbach ein. Sie sind sich einig, dass die vorgeschlagene Lösung nicht optimal ist und sich die Einwohner von Eschenbach kritisch gegen das Projekt stellen sollten.

ESCHENBACH. Die Stimmung in der Gemeinde Eschenbach ist angespannt, dies merkte man unlängst an der Informationsveranstaltung für die geplante Dreifachturnhalle am 18. September dieses Jahres. Angriffig und ablehnend reagierte der Saal auf kritische Fragen von vereinzelten Teilnehmern. Viele meldeten sich überhaupt nicht zu Wort; zu gross war die Angst gleich abgekanzelt zu werden. Eine sachliche Diskussion um das ganze Thema wird kaum zugelassen, zu gross scheint das Risiko vor dem erneuten Scheitern auf Seiten der Befürworter und der Gemeinde, insbesondere dessen Gemeindepräsident, welcher an vorderster Front für das Projekt ankämpft.
Er lässt keine negativen Äusserungen zum Projekt zu, dies zeigen auch Zeitungsartikel in denen Kritik stets abgewiesen wird und nötigenfalls auch mit Halbwahrheiten argumentiert wird. Beispiel: Aussage an Infoveranstaltung, dass Kanton Auflage für Rückstellungen macht.
Alleine schon diese Vorgehensweise; das Projekt quasi „mit der Brechstange“ durchsetzen zu wollen, sollte bereits Bedenken aufwerfen.

Undurchsichtige Vorfinanzierung
In der Abstimmungsbroschüre werden die Investitionskosten durch eine Vorfinanzierung von 4.1 Mio. Franken heruntergeschummelt. Es wird vermittelt, dieses Geld sei überschüssig gewesen. Doch bei genauerer Betrachtung sieht man, dass dieses Geld durch massive Sparmassnahmen in verschiedensten Bereichen, ohne jeglichen Auftrag, stillschweigend angehäuft wurde. Bereits 4 Monate nach der Ablehnung der ersten Initiative, als sich die Bevölkerung also gegen eine Turnhalle ausgesprochen hatte, wurden auf eigene Faust bereits schon Rückstellungen für das neue Projekt getätigt! Eine Impertinenz, wie wir finden.
Zu den Sparmassnahmen: Beispielsweise im Strassenunterhalt wurde in den vergangenen Jahren massiv gespart. Im ganzen Gemeindegebiet wurden scheinhalber kleine Abschnitte saniert. Eine komplette Strassensanierung über einen längeren Abschnitt, wie sie in umliegenden Gemeinden gang und gäbe ist, blieb aus. Dass es längerfristig wirtschaftlicher ist, grossflächig zu erneuern, erklärt sich von selbst. Das Strassennetz in der Gemeinde gleicht heute vielerorts einem Flickenteppich.
Des Weiteren ist schon lange bekannt, dass beim Altersheim «Mürtschen» längst Investitionen fällig wären. Die Bevölkerung wünscht sich seit Jahren mehr betreuten Wohnraum. Keine Versammlung vergeht, ohne, dass jemand danach fragt, wann endlich etwas für die Alten getan wird. Der Kredit für einen allfälligen Ausbau des Mürtschen müsste durch die Gemeinde vorgeschossen werden. Doch darum scheint sich bis heute niemand Gedanken zu machen. Es stellt sich die Frage ob die Gemeinde überhaupt eine Investitionsplanung über das in den kommenden Jahren sonst noch anstehende führt. Die Kläranlage zum Beispiel ist mit ihrer Kapazitätsgrenze von 11’900 Einwohnern beim rasanten Bevölkerungswachstum auch bald ausgelastet.

Bauvorhaben besser nutzen
Die Gemeindeverwaltung ist heute oberhalb der Migros, an der Rickenstrasse eingemietet, für diese Räumlichkeiten bezahlen Herr und Frau Steuerzahler in Eschenbach jährlich 270’000.Franken, ein nicht unbedeutender Betrag. Langfristig gesehen wäre es sinnvoll eine eigene Liegenschaft zu kaufen oder eben allenfalls in einen Bau, wie beispielsweise dem der geplanten Dreifachsporthalle, zu integrieren. Dies würde zwar die Kosten anheben, aber unter dem Strich einen Mehrwert schaffen und wäre somit ein unabdingbares Argument für ein Ja zu einem Bauvorhaben.

Argument Gewerbeausstellung
In den Argumentarien der Befürworter ist immer wieder von der Eschenbacher Gewerbeausstellung zu lesen. Es hätte hierfür zu wenig Platz, heisst es. Diese Ausstellung findet wohlverstanden alle 2 Jahre statt, bereits heute schon werden Zeltanbauten realisiert, da der Platz in der Halle nicht ausreicht. Sollte der Bedarf nach mehr Platz an der GEWA wirklich derart gross sein, bestünde die Möglichkeit auf dem grossen Parkplatz des Dorftreffs ein grosses Zelt aufzustellen. Die Kosten hierfür könnte man problemlos Verursachergerecht verteilen.
Wer jetzt denkt es hätte wegen dem Zelt zu wenige Parkplätze, fehlt weit: Es gibt bekanntlich seitens der Gemeinde heute schon dementsprechende Parkplatzkonzepte. Diese würden auch bei einem Grossanlass in der neuen Halle angewandt, da die Parkplatzanzahl mit der Kapazität der Halle bekanntlich nicht korrespondiert.

Regionales Gewerbe nicht berücksichtigt
Beim Architekturwettbewerb wurden 12 Architekturbüros eingeladen um einen Entwurf zu zeichnen. Zehn davon kommen aus der Stadt Zürich, eines aus Winterthur und ein weiteres aus Baden. Von der dreiköpfigen Fachjury, wovon zwei, insbesondere des Jurypräsidenten in der Stadt Zürich arbeiten, wurde also kein einziges regionales Büro berücksichtigt.
Es macht den Eindruck, man traue den ansässigen Architekten nicht zu, ein solches Projekt zu entwerfen, respektive zu realisieren.
Nicht zu vergessen, dass das Architektenhonorar bei einem solchen Projekt nicht unbedingt klein ausfällt, umso trauriger also, dass die Steuergelder nicht ins regionale Gewerbe investiert werden konnten.

Bestehende Ressourcen nutzen
Im Abstimmungskampf wird die vielseitige Nutzbarkeit der Sporthalle immer wieder erwähnt. In Wirklichkeit ist die Halle, welche nicht einmal über eine Bühne verfügt, nur für «normale» Sportanlässe geeignet. Alle Musikgruppen, Theatergruppen und dergleichen werden sich auch in Zukunft mit den «alten» Räumlichkeiten begnügen müssen. Wir stellen uns grundsätzlich die Frage: Wollen wir die Gemeindekosten für zukünftige Generationen wirklich derart belasten, nur um einen Turnpalast für 22 Mio. zu erbauen?
Ohne weiter darauf eingehen zu wollen, sollte es jedem einleuchten, dass es auch günstigere und zweckmässigere Lösungen gäbe.

Augenwischerei bei Unterhaltskosten
Trotz vermehrter Kritik bezüglich den Angaben über die Unterhaltskosten des neuen Gebäudes, wurde stets bekräftig, dass die Unterhaltskosten von 170’000.Franken pro Jahr durchaus realistisch seien. Dies ist jedoch kaum glaubwürdig: Man bedenke, dass sich schon die heutigen durchschnittlichen Unterhaltskosten der Einfachturnhalle Dorftreff auf etwa eine viertel Million Franken pro Jahr belaufen. Wenn man die Rechnung mit einem halbwegs realistischen Zins von 2% über 25 Jahre macht und alle Kosten für Abschreibung, Unterhalt, Rückstellungen für Sanierung und Unterhalt macht, kommt man schnell auf einen Betrag von einer halben Million Franken, ohne, dass man viel davon verstehen muss.
Abschliessend sagen wir, dass eine Grossinvestition grundsätzlich vertretbar ist, wenn sie auch andere Probleme der Gemeinde einschliesst und die Finanzplanung seriös und transparent erstellt wird. Wir wünschen uns von den Stimmbürgern am 29. Oktober 2017 einen verantwortungsbewussten Umgang mit Steuergeldern, um einen wirklichen Mehrwert für alle zu schaffen.

2017-11-27T20:31:02+00:0020. Oktober 2017|